IL
MELARANCIO
von Gimmi Basilotta und Riccardo Canestrari
mit Riccardo Canestrari und Luca Fantini
Text und Regie von Gimmi Basilotta
Figuren und Bühnenbild Riccardo Canestrari
Kostüme Clara Daniele
Choreographie Tiziana Ferro
Licht und Ton Luca Fantini
Graphik Frank Priola
Organisation Marina Berro und Pamela Damiano

Habt ihr jemals einen hungrigen Wolf gesehen? Könnt ihr
euch vorstellen, was ihm im Kopf umgeht? Was seine versteckten
Gedanken sind? Was seine uneingestandenen Ängste? Manche
sagen, dass der Wolf ein häßliches Ungeheuer ist; wieder
andere stellen fest, dass nur der Hunger ein häßliches
Ungeheuer ist; wir können also sagen, dass ein hungriger
Wolf eigentlich ein ganz häßliches Ungeheuer ist. Es ist
nichts in ihm, das nicht perfide ist, ob es jetzt sein
Blick ist, seine Bewegungen, seine Tätigkeiten, es versteckt
ein einziges und alleiniges Ziel: seinen unersättlichen
Hunger zu stillen!
Es ist immer Er: dieser bösartige Verschlinger unschuldiger
Kinder mit rotem Käppchen am Kopf, dieser grausame Verschlinger
ahnungsloser, folgsamer Geißlein, was jetzt in seinem
kühnsten Unternehmen gipfelt: die unzerstörbaren Häuser
dreier zarter, fetter undsaftiger Schweinchen anzugreifen!
DER
INHALT
Der hungrige Wolf erzählt die Geschichte "die drei
kleinen Schweinchen" in der englischen Version von James
Orchard Halliwell aus 1843, nur verlegt sich in unserem
Stück der Blick von den Schweinchen auf den Wolf und die
Geschichte wird durch die Gedanken und Taten dieser unterhaltsamen
Figur, reich an Humor und Menschlichkeit, erlebt.
So erzählt die Geschichte, nach einer Vorstellung des
Protagonisten in den Fängen seines unersättlichen Hungers,
die Ankunft der drei Geschwister, entschlossen, ihre Häuser
zu bauen, aus Stroh, Holz und Ziegeln.
Es geht weiter mit den Angriffen des Wolfes, unterstützt
von seiner katastrophalen Lungenkraft und endet mit der
unvermeidlichen Niederlage des gierigen Schweine-verschlingers.
DIE
HAUPTTHEMEN
Der Wolf wird immer als wilde Bestie angesehen, grausam,
hungrig, die Tiere, Kinder oder sogar erwachsene Menschen
angreifen und fressen kann. Seine wilde Natur und seine
Verbreitung habe ihn in der Vergangenheit zu einer wahren
Geißel für die Bevölkerung gemacht. In der Folge hat seine
Dezimierung durch Jäger und Wilderer die Gefahr neutralisiert
und seinen Ruf als "Verschlinger" und Kinderschreck bei
uns auf Geschichten und Märchen beschränkt.
Doch nichts desto weniger ist der Wolf immer noch der
Wolf, und eine Geschichte unter seinem Gesichtspunkt zu
erzählen bietet die Möglichkeit, eine faszinierende, komische,
und, um mit den Worten Daniel Pennacs zu sprechen, "komplexe
Persönlichkeit" zu entdecken.
Aber das wahre Thema, das die Geschichte trägt und die
Taten des Wolfes lenkt, ist der Hunger. Ein atavistischer,
totaler und absoluter Hunger, ein schwarzer Hunger, wie
das Fell des Wolfes, der die großen Nöte des Mittelalters
in Erinnerung ruft oder die Erzählungen von Elend und
Entbehrung der Kriegszeit und heute auf der Welt fast
eine Milliarde Menschen betrifft.
Wir alle wissen, wie der Hunger ist! Wir merken dieses
Gefühl in unserem Magen; und wenn wir es fühlen, haben
wir nicht allzu große Schwierigkeiten, es verschwinden
zu lassen. Aber es gibt welche, denen es, wie unserem
Wolf, trotz all seiner Kräfte, nie gelingt, sich den Magen
zu füllen: für mehr als 850 Millionen Menschen endet der
Hunger nie. Menschen wie wir, die Gefühle spüren, lieben,
lachen, träumen, aber die, auch wenn sie keine Schuld
haben, vom Hunger zermürbt und zerstört werden.
VERWENDETE
TECHNICHEN UND AUSDRUCKSFORMEN
Kann man sich einem so tragisch ungeheuren Problem
mit Komik und Ironie nähern? Wir haben gewagt es zu tun,
indem wir die zerstörerische Kraft unseres Wolf-Protagonisten
nützten: eine Puppe, bewegt in einer Mischtechnik aus
Hand- und Stabpuppe von großer Beweglichkeit und fast
menschlicher Ausdruckskraft.
Im Stück fehlt das Wort fast ganz und die Geschichte wird
in den Sprachen des Figurentheaers erzählt, in einem Spiel,
Rhythmen und der Musik, in einer Art, die an die Komik
des Stummfilms und die Welt des Cartoons erinnert.
Tatsächlich hat unser Wolf, naiver und glückloser Held
wie Buster Keaton, der große komische Schauspieler des
amerikanischen Stummfilms, eine gefühlsmäßige Gleichgültigkeit
angesichts der katastrophalen Situationen, die ihn umgeben,
in denen er bis zum Ende kämpft in einem bockigen Kampf;
und wie Willy Coyote, Schlüsselperson der Zeichentrickfilme
von Looney Tuns, der verzweifelt den Strauß Beep beep
verfolgt, ihm unmögliche Fallen stellt, deren Opfer er
dann pünktlich wird, so plant unser hungriger Wolf Angriffe,
geht es strategisch an, die Schweinchen zu töten, stürzt
sich in Verfolgungen, stellt sich hinter die Bäume, bereit,
anzugreifen, und findet sich unfehlbar mit leerem Bauch
wieder; wie Willy Coyote ist er unzerstörbar und stirbt
trotz allem nie , nicht einmal, wenn er am Schluss im
Topf der Schweinchen endet.
DIE AUSFÜHRENDEN
Il Melarancio ist seit 1982 hauptsächlich im Bereich
des Kinder- und Straßentheaters tätig und entwickelt in
einer Verbindung der Techniken des Figuren- und Schauspielertheaters
Stücke und Aktionen von großer Intensität, die sie in
Italien und im Ausland aufführen.
Seit 2 Jahren betreiben sie auch Impresa Odile, mit der
sie künstlerische Experimente mit den Ausdrucksformen
des Tanzes begonnen haben. Sie koordinieren in Cuneo auch
das multidisziplinäre Haus "Officina", ein Zentrum zur
Förderung und Verbreitung der betreffenden Künste und
im besonderen des Theaters.
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