Nach
einem Jahrzehnt der Forschung und des Erwerbs wertvollen
Materials der Zeit eröffnet das Istituto per i Beni
Marionettistici e il Teatro Popolare das Museo Gianduja
im wunderbaren Ambiente der Villa Boriglione aus dem 18.
Jahrhundert, im Herzen des Parco Culturale Le Serre in
Grugliasco. Das Museum ist entstanden, um die piemontesische
Maske, deren Geschichte mit der des Risorgimento zusammenfällt,
ins Licht zu rücken.
Vom
Theater zu den satirischen Zeitungen bietet Gianduja historisch
ein von dem, das man gemeinhin zu kennen glaubt, ziemlich
abweichendes Bild: nicht ein Gianduja mit der Flasche
in der Hand, sondern ein in vielerlei Hinsicht heroischer
Gianduja: echte Verkörperung des Volkes und nicht
seine Karikatur.
Die
eindrucksvolle Ausstattung stammt von Claudio Cinelli,
einem der großen Meister des internationalen Figurentheaters,
und bedient sich der modernsten Technik, um die "giandujesken"
Besonderheiten im Museum und über das regionale Gebiet
verstreut zu illustrieren.
Die
Tradion will es so, dass die Maske Giandujas 1808 von
den beiden großen Puppenspielern ihrer Zeit erfunden
wurde: von Giovanni Battista Sales und Gioacchino Bellone.
Neuere Studien verlegen allerdings die tatsächliche
Geburt Giandujas vor, die mit der seiner "Cousins"
von jenseits der Alpen (Jannot, Jocrisse, Guignol, Lafleur…),
Söhnen der französischen Revolution, zusammenfällt.
In
seinen über 200 Lebensjahren hat Gianduja einen genauen
Lauf zurückgelegt, der seine Geschichte sich mit
der des Risorgimento verknüpfen ließ, wobei
er eines der volkstümlichen Symbole der Einigkeit
Italiens wurde. Es gibt keine Entwicklung, die Gianduja
nicht durchlaufen hätte: von den Weltausstellungen
zu den Kolonial- und Weltkriegen... bis zur Eröffnung
der Fiat. Der Faschismus, Feind der Dialekte, verminderte
Gianduja, der, dem Schicksal der anderen Masken folgend,
auf ein regionales Umfeld minderwertiger Folklore reduziert
wurde. Gianduja
verkörpert freilich sehr wohl andere Werte als die
Fröhlichkeit eines rotnasigen Trunkenbolds, wie klar
im Verlauf dieser Ausstellung gezeigt wird.
Die
ausgestellten Materialen sind Teil der Bestände des
Istituto per i Beni Marionettistici e il Teatro Popolare,
das eine gleichsam einzigartige Sammlung zu dem Thema
besitzt, die Marionetten, Handpuppen, Kulissen, Theater,
Manuskripte von Textbüchern, Dokumente, Handzettel,
Zeichnungen, Originalbilder, verschiedene Publikationen,
Ansichtkarten, historische Fotografien,... umfasst. Von
außerordentlicher Wichtigkeit ist der Fundus Sales-Bellone,
der 20 handschriftliche Textbücher aus den Jahren
1824 - 1829 umfasst, darunter "die 99 Unannehmlichkeiten
Giandujas" (Le 99 disgrazie di Gianduja), Text des
historischen Spiels mit dem am 25. November 1808 die Maske
offiziell in Turin präsentiert wurde.
Themen
der Ausstellung:
- Die Ursprünge Giandujas und die Eroberung des Theaters.
(das Figurentheater des 18. Jahrhunderts im Piemont)
- Sales e Bellone: die "Erfinder" Giandujas
- Giovanni Tosetti und die Geburts des Theaters im Piemont
- Das Erbe von Sales und die compagnia Lupi
- Gianduja und das Risorgimento (Gianduja Ikone des Risorgimento)
- Die großen Karikaturisten des "Pasquino" und des
"Fischietto"
- Die Septemberkonvention und die Via Crucis di Gianduja
- Der Übergang der Hauptstadt von Turin nach Rom
- Gianduja und die großen Turiner Karnevalsfeste
(Turin von der politischen zur industriellen Hauptstadt)
- Der Karneval als Zeichen der Wiedergeburt: die erste
Giandujeide
- Der Karneval als Zeichen der nationalen Einheit: der
Kongress der Masken
- Gianduja als Markenname (Gianduja und die Schokolade
- Gianduja als Bezeichnung für verschiedene Produkte)
- Gianduja im 20 Jahrhundert (Niedergang der politischen
Rolle des Karnevals und Niedergang Giandujas)
- Gianduja in der Sicht der zeitgenössischen Künstler:
Golia, Albani, Gec…
Museumseröffnung
Erster Besuch im Museum